Das Internet nähert sich seinem Ende. Zumindest was die Menge der zur Verfügung stehenden Internet-Adressen angeht. Bereits in fünf Jahren ist der Vorrat erschöpft. Dann werden nach Expertenschätzung weltweit 17 Milliarden Geräte im Internet zusammengeschlossen sein, die sich jedoch die zur Verfügung stehenden 4,3 Milliarden Adressen teilen müssen. Zudem ist das derzeit genutzte Internetprotokoll der Version 4 (IPv4) den neuen Anforderungen wie Videotelefonie und Fernsehen über das Internet nicht gewachsen. Derartige Anwendungen, die hohe Bandbreiten erfordern, könnten nach Ansicht der Experten zu einer Überlastung des globalen Datennetzes führen. Diese Warnung spricht eine Studie aus, die auf der ICANN-Konferenz in Portugal vorgelegt wurde.
Acht Adressen pro Quadratkilometer
Erst die Einführung des Nachfolgeprotokolls IPv6 würde wieder für Platz im Web sorgen – pro Quadratmillimeter Erdoberfläche würden dann circa 667 Billiarden Adressen bereit stehen. Das derzeit aktuelle IPv4-Protokoll bietet im Vergleich gerade einmal 8,4 Adressen pro Quadratkilometer an. Doch auch die rasant ansteigenden Datenmengen bringen das Internet an seine Grenzen: Die enorm anwachsende Zahl etwa von Filmdownloads überfordert die Netzinfrastruktur.
Der atentransfer explodiert
n den nächsten Jahren wird sich das übliche Transfervolumen vervielfachen: Ein durchschnittlicher Surfer konsumiert heutzutage ein bis drei Gigabyte pro Monat. Durch die steigende Nutzung von Angeboten wie IPTV, Internetradios und Tauschbörsen wird das tägliche Transfervolumen Schätzungen zufolge auf bis zu drei GB am Tag wachsen - ein dramatischer Anstieg gegenüber der heutigen Bandbreitennutzung. So macht eine Stunde Video in etwa so viel Datenvolumen aus, wie ein durchschnittlicher eMail-Account im Jahr verbraucht. Die globale Webinfrastruktur ist aber im wesentlichen darauf ausgelegt, eMail-Verkehr und das Anzeigen von Internetseiten zu ermöglichen. Die Technik hinkt den innovativen, aber datenintensiven Angeboten hinterher.
Folgen für die User
Die Folgen für den Internet-Benutzer können recht unterschiedlich ausfallen. Verlangsamte Verbindungsgeschwindigkeiten, ruckelnde Videos und ein schleppender Seitenaufbau sind mögliche Auswirkungen. Komplettausfälle von Servern, die schlicht unter der Datenflut zusammenbrechen, sind aber auch denkbar. Daneben könnten die Verbindungskosten steigen, da der durchschnittliche User wesentlich mehr Datenvolumen verbrauchen wird.
Filesharer erzeugen den meisten Datenverkehr
Der meiste Datenverkehr wird von Filesharern erzeugt. Nutzer von Tauschbörsen machen aber lediglich fünf Prozent der weltweiten Internetuser aus. Die Unternehmensberatung Deloitte schätzt, das im Jahr 2007 fast ein Drittel des globalen Internetverkehrs auf den Videotransfer innerhalb illegaler Tauschbörsen fallen wird. Aber auch Fernsehsender, die zunehmend ihre Sendungen online zur Verfügung stellen, bringen die Online- Kapazität an ihre Grenzen. So plant das ZDF die Hälfte seines Programms im Web zugänglich zu machen.
Verdopplung des Datenverkehrs in nur einem Jahr
So ist es nicht verwunderlich, dass das Transfervolumen des weltweit größten Internethub, dem Amsterdam Internet Exchange (AMS-IX), stetig steigt: Von einem Petabyte pro Tag im Februar 2006 auf über zwei Petabyte in diesem Jahr. Ein Petabyte sind eine Billiarde Byte, soviel wie auf knapp eine Milliarde Disketten passt. Aufeinander gestapelt würden diese Disketten einen 4000 Kilometer hohen Turm ergeben.
Baut Google sein eigenes Netz?
Google scheint die Zeichen der Zeit bereits vor einigen Jahren erkannt zu haben: Der Internetriese baut sein eigenes Netz in den USA auf. Mit diesem könnte Google dem beschriebenen Engpass im Internet begegnen. Mit Hilfe von lokalen Datenzentren und Glasfasernetzen soll dies möglich werden. Dazu heuerte Google nach Informationen des Journalisten Mark Stephens Spezialisten an, deren Aufgabe es war, möglichst viel Hightech in Schiffscontainern unterzubringen. Diese mobilen Datenzentren sollten dann dort als Knotenpunkte eingesetzt werden, wo es zu Engpässen in der Internetversorgung kommt.
Google kontrolliert bereits Glasfaserleitungen
Sinnvoll ist dies aber nur dann, wenn Google über die entsprechenden Glasfasernetze verfügt. In den letzten Jahren hat Google weltweit Glasfasernetze aufgekauft, um sich mit deren Hilfe eine globale Netzinfrastruktur zu schaffen. Diese brachliegenden Glasfasernetze wurden während der Internetboom-Phase Ende der 90er Jahre aufgebaut, aber nach dem Dotcom-Crash nie benutzt. Stephens Angaben zu Folge kontrolliert der Suchmaschinenriese mittlerweile mehr Glasfaserleitungen als irgend eine andere Einrichtung weltweit.
Wie ausfallsicher ist das Netz?
Der Internetverkehr steigt also in einem enormen Tempo - zurzeit um über sieben Prozent im Monat. Dies liegt neben dem höheren Datenvolumen pro Nutzer aber auch an der stetig wachsenden Zahl von Surfern. Im Jahre 2006 wurde erstmals die eine Milliarde-Marke geknackt. Grund zur Panik? Die Antwort lautet nein, wenn man dem Gelsenkirchener Informatiker Stefan Dierichs glauben schenken mag. Ihm zufolge laufen die Datenströme zurzeit relativ frei, der normale User müsse weder unter einem Zusammenbruch des Netzes noch unter verstopften Leitungen leiden.
"Der einzelne User wird nichts merken"
Dierichs hat am Institut für Internet-Sicherheit in Gelsenkirchen untersucht, wie ausfallsicher das Netz ist. Sein Fazit schafft Erleichterung: Die bestehende Infrastruktur ist durchaus robust. "Der einzelne User wird nichts merken", versichert er gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Es könne lediglich während Stoßzeiten zu leichten Verlangsamungen kommen. Doch die Provider versuchten stets, immer einen Schritt weiter zu sein, um die Servicequalität aufrechtzuerhalten.
quelle: _oncomputer_t-online-de/c/10/38/70/72/10387072,pt=self,si=0-html