Trockeneis*
27.01.2010, 03:17
Terror-Studie
Al-Qaidas Sehnsucht nach der Superbombe
Von Yassin Musharbash (yassin_musharbash@spiegel.de)
http://www.spiegel.de/images/image-52815-panoV9free-tnlt.jpg
Wie real ist die Gefahr, dass al-Qaida die USA mit Massenvernichtungswaffen angreift? Entsprechende Drohungen sind laut einer Studie des CIA-Veteranen Mowatt-Larssen mehr als leere Rhetorik. Im Gegensatz zu vielen Kollegen vermutet er, dass sich das Terrornetzwerk auf den größtmöglichen Anschlag vorbereitet.
Berlin - Es ist nicht schwer, Zitate von Qaida-Kadern aufzuspüren, die zur Beschaffung und zum Einsatz von Massenvernichtungswaffen aufrufen. Schon 1998 hatte Osama Bin Laden die Versorgung mit Atomwaffen, biologischen und chemischen Kampfstoffen ("ABC-Waffen") zur Pflicht erklärt.
Ein aktuelles Echo dieses Befehls findet sich in einem Interview des Anführers der Qaida-Filiale auf der Arabischen Halbinsel (AQAP), Abu Basir al-Wuhaischi: "Es ist eine religiöse Pflicht, dass die Mudschahidin sich Massenvernichtungswaffen beschaffen, um sich zu verteidigen." Erst an Weihnachten 2009 schickte seine Truppe Umar Faruk Abdulmutallab aus, einen US-Jet über Detroit in die Luft zu sprengen (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,669354,00.html). Zwar hatte der Nigerianer nur gewöhnlichen Sprengstoff dabei, aber immerhin bewies AQAP damit, dass sie sich auch als Filiale zu Angriffen auf den "großen Satan" USA berufen fühlt.
Wie real ist also die Gefahr, dass es al-Qaida eines Tages tatsächlich gelingen könnte, solche Waffen zu beschaffen und einzusetzen? Und verfolgt das Terrornetzwerk überhaupt noch eine solche Strategie? Diesen Fragen ist der Forscher und CIA-Veteran Rolf Mowatt-Larssen nachgegangen. Seine Studie "Die Bedrohung durch Qaida-Massenvernichtungswaffen: Übertreibung oder Realität?" (http://belfercenter.ksg.harvard.edu/files/al-qaeda-wmd-threat.pdf) veröffentlichte das Belfer-Center der Harvard Kennedy School Anfang dieser Woche.
Sawahiri sagte einen Giftgasanschlag in New York ab
Eine eindeutige Antwort, das vorweg, findet Mowatt-Larssen nicht - wohl aber diskussionswürdige Indizien. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 leitete der Verfasser einige Jahre lang die CIA-Abteilung, die sich mit al-Qaidas Plänen für Massenvernichtungswaffen beschäftigte. Er hatte in dieser Zeit Einblick in geheime Informationen. Davon profitiert deutlich seine Chronologie über die zahlreichen Versuche des Terrornetzwerks, sich mit ABC-Waffen zu versorgen, die das Kernstück seiner Studie bildet.
Mowatt-Larssen versucht zudem, das Denken von al-Qaidas Strategen ernst zu nehmen und mit den wahrscheinlichen oder möglichen Kapazitäten in Beziehung zu setzen. Schon das allein führt ihn zu interessanten Schlüssen. So schreibt er etwa: "Wenn Osama Bin Laden und seine Führungskader daran interessiert gewesen wären, krude chemische, biologische und strahlende Materialien in kleinen Anschlägen einzusetzen, dann besteht wenig Zweifel daran, dass sie es mittlerweile schon getan hätten."
Mit anderen Worten: Ein Szenario wie zum Beispiel ein Giftgasanschlag auf die U-Bahn in einer US-Großstadt ist aus Sicht al-Qaidas zwar machbar. Aber nicht unbedingt erwünscht. Als Beleg bietet Mowatt-Larssen einen Vorfall aus dem Jahr 2003 an, als Bin Ladens Vize Aiman al-Sawahiri genau so einen für New York geplanten Anschlag absagte - mit der Begründung, es gäbe "etwas Besseres".
Was al-Qaida will, ist womöglich am wahrscheinlichsten: ein Großanschlag
Mowatt-Larssen führt dieses Argument noch weiter, vielleicht sogar bis auf die Spitze: Er geht davon aus, dass al-Qaida mit 9/11 die Latte für spektakuläre Anschläge sehr hoch gehängt habe - und deshalb eine etwaige Verlagerung von Kapazitäten in Richtung Massenvernichtungswaffen sorgfältig abwäge, um mindestens ebenso unauslöschliche Bilder und Emotionen zu produzieren.
Dieser Gedankengang stellt die Wahrscheinlichkeitsrechnung vieler Sicherheitsexperten auf den Kopf. Der Autor schreibt, Analysten gingen normalerweise davon aus, dass ein Angriff mit nicht-konventionellen Waffen durch Terroristen umso wahrscheinlicher sei, je einfacher diese zu beschaffen sind. Er selbst kommt jedoch zu dem Schluss, dass womöglich das Gegenteil richtig ist: Wenn al-Qaidas Ziel der größtmögliche Anschlag sei, dann sei der wahrscheinlichste Anschlag vermutlich auch jener, der solche Waffen umfasst, die "am effektivsten" seien.
Liest man die Studie genau, stellt man fest, dass sie ohnehin eher eine Bedrohungsanalyse ist als ein Report, der sich auf Fakten und Daten stützt. Mowatt-Larssen sagt denn auch ganz klar, dass viele Experten "die Abwesenheit von Informationen mit der Abwesenheit einer Bedrohung" gleichsetzten; er sieht das anders und hält solches Denken für potentiell fahrlässig.
Kaum Informationen über aktuelle Aktivitäten al-Qaidas
Zugleich freilich gibt der Autor bereitwillig zu, dass al-Qaidas Programme zur Beschaffung von Massenvernichtungswaffen derzeit "unterbrochen" sein könnten.
In der Vergangenheit, das wird sehr detailliert dargelegt, habe al-Qaida allerdings ausgiebig unter Beweis gestellt, wie wichtig ihr solche Waffen seien. Aiman al-Sawahiri persönlich leitete demzufolge das Anthrax-Programm al-Qaidas, das sich zudem auf mehrere verschiedene Zugänge stützte, im konkreten Fall auf zwei mit den Terroristen sympathisierende Wissenschaftler aus zwei Ländern, die unabhängig voneinander für al-Qaida arbeiteten. Die Dschihadisten richteten in Kandahar sogar ein Labor ein.
Vor 9/11 war al-Qaida in dieser Hinsicht freilich aktiver, weil nach dem Afghanistan-Krieg der Bewegungsfreiraum erheblich eingeschränkt wurde. Längst bekannt sind Giftgasexperimente in afghanischen Ausbildungslagern vor 9/11 und entsprechende Anschlagsplots in Europa in den Jahren 2002 und 2003, weniger bekannt dagegen verschiedene wahrscheinliche (nicht bewiesene) Versuche al-Qaidas, sich nukleares Material zu beschaffen. So habe Bin Laden 1993/94 im Sudan versucht, Uran zu besorgen.
Aus den letzten Jahren gibt es derweil anscheinend immer weniger Belege dafür, dass al-Qaida aktiv an Massenvernichtungswaffen arbeitet. Zwar berichteten die Angeklagten der "Sauerland-Zelle" in Deutschland (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,672989,00.html), dass sie im Ausbildungslager der Islamischen Dschihad-Union (IJU) in Afghanistan durchaus auch Giftstoffe herzustellen lernten; auch al-Qaida hat womöglich den Standard-Lehrplan nicht verändert. Aber solche Lektionen sind kaum vergleichbar mit Versuchen, sich eine schmutzige Bombe zusammenzubauen und in Manhattan Tausende Menschen zu verstrahlen.
Fazit: Glaubenssache
Doch in dem Maße, in dem die Geheimdienstinformationen weniger wurden, stellten Analysten und Experten nach 9/11 fest, dass sich im Internet zahllose Anleitungen finden, die angeblich erklären, teilweise in Bildern und Filmen, wie man biologische oder chemische Kampfstoffe herstellt. Sogar eine Anleitung für den Bau einer Atombombe kursierte 2005 auf Arabisch in 15 Folgen, allerdings ist sie mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht praktikabel.
Das gilt für die einfacheren Anleitungen für Giftgase oder Krankheiterreger freilich oft auch. Die norwegische Terrorexpertin Anne Stenerson hat etliche dieser Anleitungen untersucht und kommt zu dem Ergebnis, viele seien "bestenfalls ehrgeizig". Oft fehle aber jeder Hinweis darauf, wie die Substanzen anschließend ausgebracht werden können - eine zentrale Hürde. Mit ihrem Anthrax-Experiment sei al-Qaida seinerzeit genau daran gescheitert, so Mowatt-Larssen zur "Washington Post".
Mowatt-Larssens Studie ist interessant, aber nicht wegweisend - denn sie basiert auf beinahe purer Analyse, und das macht seine Schlussfolgerungen letztlich zur Glaubenssache. Man kann sich ihnen anschließen, oder es weiterhin halten wie viele Terroranalysten, die einen Anschlag mit Massenvernichtungswaffen für unwahrscheinlich halten, weil es zu wenige Indizien aus der Gegenwart gibt, die das Szenario real erscheinen lassen. Es ist sinnvoll, aus der Vergangenheit Schlüsse abzuleiten - aber nicht zwingend. Al-Qaida hat sich schließlich verändert.
Auch nach der Lektüre bleibt die ewige Kluft also unbeschrieben, deren Größe abzuschätzen das Geschäft aller Terroranalysten weltweit bleibt: Al-Qaidas Ziele sind relativ klar - was unklar ist, sind die Fähigkeiten, diese auch zu erreichen.
Allerdings ist es bei allen Spekulationen über einen etwaigen Atompilz über Los Angeles sicher auch kein Fehler, sich ins Gedächtnis zu rufen, was die Qaida-Führung schon 1994 feststellte: Dass ein Radiosender letztlich mächtiger sei als eine Atombombe.
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Ich hoffe, die Al-Qaida werden nie im Stande sein eine Atombombe zu zünden...
Al-Qaidas Sehnsucht nach der Superbombe
Von Yassin Musharbash (yassin_musharbash@spiegel.de)
http://www.spiegel.de/images/image-52815-panoV9free-tnlt.jpg
Wie real ist die Gefahr, dass al-Qaida die USA mit Massenvernichtungswaffen angreift? Entsprechende Drohungen sind laut einer Studie des CIA-Veteranen Mowatt-Larssen mehr als leere Rhetorik. Im Gegensatz zu vielen Kollegen vermutet er, dass sich das Terrornetzwerk auf den größtmöglichen Anschlag vorbereitet.
Berlin - Es ist nicht schwer, Zitate von Qaida-Kadern aufzuspüren, die zur Beschaffung und zum Einsatz von Massenvernichtungswaffen aufrufen. Schon 1998 hatte Osama Bin Laden die Versorgung mit Atomwaffen, biologischen und chemischen Kampfstoffen ("ABC-Waffen") zur Pflicht erklärt.
Ein aktuelles Echo dieses Befehls findet sich in einem Interview des Anführers der Qaida-Filiale auf der Arabischen Halbinsel (AQAP), Abu Basir al-Wuhaischi: "Es ist eine religiöse Pflicht, dass die Mudschahidin sich Massenvernichtungswaffen beschaffen, um sich zu verteidigen." Erst an Weihnachten 2009 schickte seine Truppe Umar Faruk Abdulmutallab aus, einen US-Jet über Detroit in die Luft zu sprengen (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,669354,00.html). Zwar hatte der Nigerianer nur gewöhnlichen Sprengstoff dabei, aber immerhin bewies AQAP damit, dass sie sich auch als Filiale zu Angriffen auf den "großen Satan" USA berufen fühlt.
Wie real ist also die Gefahr, dass es al-Qaida eines Tages tatsächlich gelingen könnte, solche Waffen zu beschaffen und einzusetzen? Und verfolgt das Terrornetzwerk überhaupt noch eine solche Strategie? Diesen Fragen ist der Forscher und CIA-Veteran Rolf Mowatt-Larssen nachgegangen. Seine Studie "Die Bedrohung durch Qaida-Massenvernichtungswaffen: Übertreibung oder Realität?" (http://belfercenter.ksg.harvard.edu/files/al-qaeda-wmd-threat.pdf) veröffentlichte das Belfer-Center der Harvard Kennedy School Anfang dieser Woche.
Sawahiri sagte einen Giftgasanschlag in New York ab
Eine eindeutige Antwort, das vorweg, findet Mowatt-Larssen nicht - wohl aber diskussionswürdige Indizien. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 leitete der Verfasser einige Jahre lang die CIA-Abteilung, die sich mit al-Qaidas Plänen für Massenvernichtungswaffen beschäftigte. Er hatte in dieser Zeit Einblick in geheime Informationen. Davon profitiert deutlich seine Chronologie über die zahlreichen Versuche des Terrornetzwerks, sich mit ABC-Waffen zu versorgen, die das Kernstück seiner Studie bildet.
Mowatt-Larssen versucht zudem, das Denken von al-Qaidas Strategen ernst zu nehmen und mit den wahrscheinlichen oder möglichen Kapazitäten in Beziehung zu setzen. Schon das allein führt ihn zu interessanten Schlüssen. So schreibt er etwa: "Wenn Osama Bin Laden und seine Führungskader daran interessiert gewesen wären, krude chemische, biologische und strahlende Materialien in kleinen Anschlägen einzusetzen, dann besteht wenig Zweifel daran, dass sie es mittlerweile schon getan hätten."
Mit anderen Worten: Ein Szenario wie zum Beispiel ein Giftgasanschlag auf die U-Bahn in einer US-Großstadt ist aus Sicht al-Qaidas zwar machbar. Aber nicht unbedingt erwünscht. Als Beleg bietet Mowatt-Larssen einen Vorfall aus dem Jahr 2003 an, als Bin Ladens Vize Aiman al-Sawahiri genau so einen für New York geplanten Anschlag absagte - mit der Begründung, es gäbe "etwas Besseres".
Was al-Qaida will, ist womöglich am wahrscheinlichsten: ein Großanschlag
Mowatt-Larssen führt dieses Argument noch weiter, vielleicht sogar bis auf die Spitze: Er geht davon aus, dass al-Qaida mit 9/11 die Latte für spektakuläre Anschläge sehr hoch gehängt habe - und deshalb eine etwaige Verlagerung von Kapazitäten in Richtung Massenvernichtungswaffen sorgfältig abwäge, um mindestens ebenso unauslöschliche Bilder und Emotionen zu produzieren.
Dieser Gedankengang stellt die Wahrscheinlichkeitsrechnung vieler Sicherheitsexperten auf den Kopf. Der Autor schreibt, Analysten gingen normalerweise davon aus, dass ein Angriff mit nicht-konventionellen Waffen durch Terroristen umso wahrscheinlicher sei, je einfacher diese zu beschaffen sind. Er selbst kommt jedoch zu dem Schluss, dass womöglich das Gegenteil richtig ist: Wenn al-Qaidas Ziel der größtmögliche Anschlag sei, dann sei der wahrscheinlichste Anschlag vermutlich auch jener, der solche Waffen umfasst, die "am effektivsten" seien.
Liest man die Studie genau, stellt man fest, dass sie ohnehin eher eine Bedrohungsanalyse ist als ein Report, der sich auf Fakten und Daten stützt. Mowatt-Larssen sagt denn auch ganz klar, dass viele Experten "die Abwesenheit von Informationen mit der Abwesenheit einer Bedrohung" gleichsetzten; er sieht das anders und hält solches Denken für potentiell fahrlässig.
Kaum Informationen über aktuelle Aktivitäten al-Qaidas
Zugleich freilich gibt der Autor bereitwillig zu, dass al-Qaidas Programme zur Beschaffung von Massenvernichtungswaffen derzeit "unterbrochen" sein könnten.
In der Vergangenheit, das wird sehr detailliert dargelegt, habe al-Qaida allerdings ausgiebig unter Beweis gestellt, wie wichtig ihr solche Waffen seien. Aiman al-Sawahiri persönlich leitete demzufolge das Anthrax-Programm al-Qaidas, das sich zudem auf mehrere verschiedene Zugänge stützte, im konkreten Fall auf zwei mit den Terroristen sympathisierende Wissenschaftler aus zwei Ländern, die unabhängig voneinander für al-Qaida arbeiteten. Die Dschihadisten richteten in Kandahar sogar ein Labor ein.
Vor 9/11 war al-Qaida in dieser Hinsicht freilich aktiver, weil nach dem Afghanistan-Krieg der Bewegungsfreiraum erheblich eingeschränkt wurde. Längst bekannt sind Giftgasexperimente in afghanischen Ausbildungslagern vor 9/11 und entsprechende Anschlagsplots in Europa in den Jahren 2002 und 2003, weniger bekannt dagegen verschiedene wahrscheinliche (nicht bewiesene) Versuche al-Qaidas, sich nukleares Material zu beschaffen. So habe Bin Laden 1993/94 im Sudan versucht, Uran zu besorgen.
Aus den letzten Jahren gibt es derweil anscheinend immer weniger Belege dafür, dass al-Qaida aktiv an Massenvernichtungswaffen arbeitet. Zwar berichteten die Angeklagten der "Sauerland-Zelle" in Deutschland (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,672989,00.html), dass sie im Ausbildungslager der Islamischen Dschihad-Union (IJU) in Afghanistan durchaus auch Giftstoffe herzustellen lernten; auch al-Qaida hat womöglich den Standard-Lehrplan nicht verändert. Aber solche Lektionen sind kaum vergleichbar mit Versuchen, sich eine schmutzige Bombe zusammenzubauen und in Manhattan Tausende Menschen zu verstrahlen.
Fazit: Glaubenssache
Doch in dem Maße, in dem die Geheimdienstinformationen weniger wurden, stellten Analysten und Experten nach 9/11 fest, dass sich im Internet zahllose Anleitungen finden, die angeblich erklären, teilweise in Bildern und Filmen, wie man biologische oder chemische Kampfstoffe herstellt. Sogar eine Anleitung für den Bau einer Atombombe kursierte 2005 auf Arabisch in 15 Folgen, allerdings ist sie mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht praktikabel.
Das gilt für die einfacheren Anleitungen für Giftgase oder Krankheiterreger freilich oft auch. Die norwegische Terrorexpertin Anne Stenerson hat etliche dieser Anleitungen untersucht und kommt zu dem Ergebnis, viele seien "bestenfalls ehrgeizig". Oft fehle aber jeder Hinweis darauf, wie die Substanzen anschließend ausgebracht werden können - eine zentrale Hürde. Mit ihrem Anthrax-Experiment sei al-Qaida seinerzeit genau daran gescheitert, so Mowatt-Larssen zur "Washington Post".
Mowatt-Larssens Studie ist interessant, aber nicht wegweisend - denn sie basiert auf beinahe purer Analyse, und das macht seine Schlussfolgerungen letztlich zur Glaubenssache. Man kann sich ihnen anschließen, oder es weiterhin halten wie viele Terroranalysten, die einen Anschlag mit Massenvernichtungswaffen für unwahrscheinlich halten, weil es zu wenige Indizien aus der Gegenwart gibt, die das Szenario real erscheinen lassen. Es ist sinnvoll, aus der Vergangenheit Schlüsse abzuleiten - aber nicht zwingend. Al-Qaida hat sich schließlich verändert.
Auch nach der Lektüre bleibt die ewige Kluft also unbeschrieben, deren Größe abzuschätzen das Geschäft aller Terroranalysten weltweit bleibt: Al-Qaidas Ziele sind relativ klar - was unklar ist, sind die Fähigkeiten, diese auch zu erreichen.
Allerdings ist es bei allen Spekulationen über einen etwaigen Atompilz über Los Angeles sicher auch kein Fehler, sich ins Gedächtnis zu rufen, was die Qaida-Führung schon 1994 feststellte: Dass ein Radiosender letztlich mächtiger sei als eine Atombombe.
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Ich hoffe, die Al-Qaida werden nie im Stande sein eine Atombombe zu zünden...