Vollständige Version anzeigen : Braucht man Gemeinsamkeiten um Unterschiede feststellen zu können?


marvinjackson
05.08.2011, 23:14

Hallo liebe community,

letzlich bestand bei uns in der Schule im Fach Erdkunde die Aufgabe darin zwei verschiedene Vorgehensweisen (irgendwie der UNO und von Deutschland) in der Entwicklungspolitik zu vergleichen. Dabei hatten einige von uns das Problem einen Vergleich aufzustellen, da die Informationen komplett unterschiedlich dargelegt waren. Unser Lehrer meinte daraufhin, dass man für einen Vergleich, wenn man ihn operatorengerecht gestaltet, keine Gemeinsamkeiten braucht. Man käme dann zu dem Schluss, dass beide Aspekte keine Gemeinsamkeiten aufweisen. Das erscheint einem ja sehr logisch.

Nun habe ich den Gedanken im Kopf für mich weitergeführt. Kann es nicht sein, dass man Gemeinsamkeiten zwangsmäßig braucht um Unterschiede darstellen zu können, ganz philosophisch betrachtet. Ich meine damit, um sagen zu können, dass sich ein Gegenstand, sei es beispielsweise ein Stuhl, von einem anderen unterscheidet muss dieser auch ein Stuhl oder etwas Ähnliches sein. Man kann nämlich schlecht einen Stuhl mit Luft vergleichen. Denn zu welchen Unterschieden käme man dann? Man käme zu einer unendlichen Zahl von unterschieden, oder wären das keine richtigen Unterschiede? Man könnte nämlich sagen, der Stuhl ist aus Holz, die Luft aber zum größten Teil aus CO2, oder der Stuhl ist fest und Luft in gewohnter Form gasförmig. Man könnte im Prinzip unzählig viele Aspekte ausarbeiten. Wären das denn wirkliche Unterscheide? Aber selbst für diesen Fall, auch wenn es ja vielleicht garkeine Unterschiede sind, gibt es eine Gemeinsamkeit, nämlich das beides auf der Erde vorzufinden ist. Man kann das ganze so weit vortführen bis man sagt die Gemeinsamkeit besteht darin, dass sich der Mensch das etwas vorstellen kann, denn alles andere gibt es für uns nicht. Es gäbe nichts darüber. Folglich braucht man eine Gemeinsamkeit um Unterschiede feststellen zu können. Aber sind das dann überhaupt "echte" Unterschiede? Gibt es eine Grenze, die wenn es sie eure Meinung nach gibt, ist sie mit Sicherheit fließend.

Ich hoffe, ihr haltet diese Idee nicht für blöd, aber es ist doch der Bereich für Philosophie:P
Vielleicht ist es auch einfach ein wenig spät und ich sollte ins Bett, damit ich mich morgen fürh über den Mist ärgern kann:D

MfG marvinjackson.

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Dexter
06.08.2011, 04:00

Hauptsächlich kommt es dabei meiner Ansicht nach eher darauf an, von welchem
Standpunkt man solche Vergleichsprozeduren sieht; besonders dann, wenn man selbst
dazu aufgefordert wird, solche Vergleiche durchzuführen. Im Prinzip sind deine Gedankengänge
diesbezüglich schon richtig, doch Unterschiede bleiben Unterschiede. Theoretisch gesehen kann
man so ziemlich alles mit jedem vergleichen, jedoch muss man sich nicht unbedingt die Frage
stellen, ob es möglich ist, zwei völlig unterschiedliche Dinge oder Thematiken zu vergleichen,
obwohl diese eigentlich rein gar nichts miteinander zutun haben, sondern vielmehr, wie sinnvoll
es ist, solche Vergleiche überhaupt anzustellen. Einem Vergleich sollte in der Regel eine Sinn und
Zweck erfüllende Intention zugrunde liegen und die erfolgreiche Ausführung dieser hängt von einigen
von dir genannten Faktoren ab. Es kommt also darauf an, welches Ziel man mit einem Vergleich
erreichen möchte. Demnach würde ich eher sagen, dass es zwar möglich ist, alles miteinander zu
vergleichen, die Produktivität und der Sinn eines Vergleiches aber davon abhängen, welche oder
wieviele Gemeinsamkeiten bzw. Ähnlichkeiten die zu vergleichenden Dinge aufweisen.

Bewegt man sich hier jedoch in abstrakten Bereichen, wird die Differenzierung schon schwieriger.
Beispielsweise erscheint es verständlicherweise sehr unangebracht, die Verhaltensmuster einer
bestimmten Personengruppe mit einem Apfel zu vergleichen. Hierbei spreche ich nicht davon, das
Verhaltensmuster der Personengruppe dem Verhaltensmuster eines Apfels gegenüberzustellen,
sondern ihr Verhalten schlicht und einfach mit einem Apfel zu vergleichen, und nicht mit dessen
Verhaltensmuster. Natürlich könnte man den ersten Schritt machen, indem man sagt, das eine ist
zum Beispiel eine Art der Interaktion zwischen einzelnen Personen und das andere ist ein fester
Gegenstand. Oder das eine ist essbar, das andere nicht. Will man aber unbedingt tiefer bohren und
vollkommen voneinander abgegrenzte Aspekte dieser beiden Dinge miteinander vergleichen, wird es
zunehmend eng, denn man kann kaum verständlich eine bestimmte Handbewegung einer Person
der Gruppe mit dem Flüssigkeitsanteil der Frucht vergleichen. Dies kann mitunter daran liegen, dass
wir sprachlich gesehen Unterschiede auf solchen Gebieten nicht wirklich zum Ausdruck bringen können.
Folglich könnte man schon sagen, dass bei Gegenüberstellungen gewisse Gemeinsamkeiten im Sinne
von für beide Objekte verwendbare Kategorien von Adjektiven (oder allgemein Worten) erforderlich
sind, damit wir diese überhaupt zu Papier bringen können. Ob man hier jedoch sagen kann, dass es
schlicht vollkommen unmöglich ist, solche Vergleiche anzustellen, bin ich nicht sicher.
Grundsätzlich denke ich aber, dass man nicht zwingend solche Gemeinsamkeiten braucht, um etwas
miteinander zu vergleichen, doch solche Faktoren sind entscheidend darüber, wie sinnvoll es ist,
einen solchen Vergleich überhaupt anzustellen. Vergleiche sollen ja meist in erster Linie etwas bringen.
Die Frage, die du dir oben gestellt hast, könnte auch lauten: "Ist es möglich, einen kompletten Vergleich
zweier Dinge, die nichts miteinander gemeinsam haben, anzustellen?". Meine Antwort darauf wäre
wohl: "Eher nicht". Allerdings würde sich dann auch die Frage stellen, wann ein Vergleich eigentlich
wirklich komplett ist. Wie du schon gesagt hast, ließen sich prinzipiell unendlich viele Unterschiede
benennen, doch wenn man genauer hinschaut, ist das ebenfalls bei vielen Vergleichen von Dingen
der Fall, die viele Gemeinsamkeiten haben, da man auch sinnlos zusammengewürfelte Aspekte
miteinander vergleichen kann. Sucht man eine einfache und kompakte Antwort auf deine Frage,
könnte man sagen, dass man Gemeinsamkeiten braucht, um einen sinnvollen und produktiven
Vergleich aufzustellen, der im Nachhinein einen tatsächlichen Nutzen hat


marvinjackson
06.08.2011, 11:48

Wow, vielen Dank für deine sehr ausführliche Antwort! (und auch noch so spät in der Nacht oder früh am morgen)

Ich denke bezüglich meiner eigentlichen Frage hat mir dein erster Absatz sehr gut gefallen. Dort hast du sehr trefflich formuliert, dass man eben gewisse Gemeinsamkeiten braucht, damit ein Vergleich überhaupt einen befriedigenden Sinn hat. Man sollte dabei eben auf die Intention und den Zweck dieses Vergleichs achten. Und vielleicht kann man ja sogar den Sinn oder die Produktivität anhand der Gemeinsamkeiten und Unterschiede messen. Finde ich einen sehr gelungenen Ansatz.

Ich könnte deinen zweiten sehr ausführlichen Absatz versuchen auseinander zu nehmen, kann aber zusammenfassend formulieren, dass auch dieser mir sehr gefällt. Das interessante ist vorallem wie du selber festgesestellt hast, dass man häufig nur durch weitere Fragen die Ursprungsfrage beantwortet. Sicherlich wäre es ideal einen kompletten Vergleich aufzustellen, nur wann ist ein Vergleich eben komplett.
Man sollte eben nicht vergessen, dass all dieses Punkte von sehr subjektivem Denken geprägt sind.
Ich vertrete nicht diese Ansichten aber, es könnte ja auch jemand daher kommen und sagen, alles hat automatsich, ohne das wir es mit etwas anderem vergleichen, Gemeinsamkeiten. Eben beispielsweise, dass sie beide in unserem Haus vorkommen, bis hin dazu, dass sie existieren. Es gibt Menschen die so weit gehen und daraus schließen, dass es eine Gemeinsamkeit ist. ich halte das für Quatsch, da garkeine logische Verbindung mehr zwischen den Punkten besteht. Dabei kommt aber zugleich die Frage auf, wann ist etwas logisch. Wo ist diese sinnvolle Grenze? Das ist eben subjektiv. Genauso kann man ja sagen, wenn wir einen Stuhl und Luft miteinandere vergleichen (und der Vergleich wäre sicherlich völlig daneben, wie wir schon festgestellt haben) und wir erhielten im Prinzip unendlich viele Unterschiede, können wir doch auch nicht ausschließen dass wir in der Unendlichkeit keine Gemeinsamkeitne finden.

Ich bin aber grundelegend deiner Meinung. Du hast die Frage eben nicht von der Seite, sondern von einer anderen beantwortet. Eben nicht ob man Gemeinsamkeiten braucht, sondern dass diese den Sinn eines Vergleich beeinflussen.
Sucht man eine einfache und kompakte Antwort auf deine Frage,
könnte man sagen, dass man Gemeinsamkeiten braucht, um einen sinnvollen und produktiven
Vergleich aufzustellen, der im Nachhinein einen tatsächlichen Nutzen hat

___________

Ich kann mich an einen interessanten Satz, der im Zusammenhang von Analysen fiel, erinnern. Interpretationen sind nicht eindeutig aber auch nicht beliebig. Findet sicherlich auch hier einen Anklang.

MfG marvinjackson


Dexter
07.08.2011, 17:51

Du hast Recht, hierbei spielt die subjektive Wahrnehmung der verschiedenen
Sachverhalte eine sehr große Rolle. Man könnte sich nämlich auch fragen, wann
eine Eigenschaft wirklich eine Eigenschaft eines Gegenstandes ist. Wie du schon
sagtest, besteht keine logische Verbindung mehr, wenn man bei zwei Dingen als
Gemeinsamkeit angibt, dass sie beide existieren. Theoretisch könnte man natürlich
darauf bestehen, dass genau dies als Eigenschaft oder sogar als für den jeweiligen
Sachverhalt relevante Eigenschaft gesehen wird, und genau hier kommt sowohl die
von dir erwähnte Subjektivität als auch die von dir angesprochene fließende Grenze
ins Spiel. Denn erstens hängt es von der subjektiven Wahrnehmung ab, ob etwas als
wirkliches Attribut gesehen wird und zweitens kann man pauschal nicht eindeutig festlegen,
ob genau dieses Attribut genügend Relevanz bzw. Bedeutung aufweist, um als Eigenschaft
geltend gemacht werden zu können. Der von dir zum Schluss genannte Satz passt hier
sogar sehr gut. Ich finde, dass du dich sehr ansprechend mit dem Thema auseinandergesetzt hast,
mir gefällt deine Denkweise


marvinjackson
08.08.2011, 01:21

Vielen Dank!
Ehrlich gesagt habe ich mir vorab nicht so viele Gedanken über das Thema gemacht. Das meiste ergibt sich beim Schreiben selber, vielleicht hast du die selbe Erfahrung gemacht. Und das Schreiben ging auch recht flott, schließlich versucht man zum Ausdruck zu bringen was man ganz einfach davon denkt, was gleichzeitig auch weider eine subjektive Bewertung darstellt.
Vielen Dank für den regen Meinungsaustausch ich habe vorher bis auf einmal mit einem Freund nie über solch ein philosophisches Thema geredet. Du hast mir mit deinen Erläuterungen sehr viel geholfen und auch ich möchte betonen, dass auch du dich sehr intellektuell und vorallem ausführlich mit dem Thema befasst hast. Ich finde sehr interessant, dass sich aus einer anfänglich "banalen" Frage so viel Gedankengut entwickelt hat.

MfG marvinjackson.


Dexter
08.08.2011, 15:57

Bei mir läuft das ebenfalls so ab, doch meiner Meinung nach ist es so,
dass genau das solche Diskussionen oft ausmacht, da auf diese Weise
häufig Gedankengänge entstehen, die vielleicht nicht entstanden wären,
wenn man sich zu sehr auf vorher festgelegte Informationsmuster versteift
bzw. beschränkt. Außerdem denke ich, dass man so besser auf andere
eingehen kann. Anfangs hätte ich auch nicht gedacht, dass sich diese Frage
so entwickelt^^


marvinjackson
08.08.2011, 18:49

Na dann nochmals vielen Dank. Falls ich nocheinmal dem philosophischen Denken verfallen sollte werde ich mich an dich richten. Selbiges darf wenn du möchtest auch für dich gelten. Ich wünsche noch einen schönen Abend.

Ich denke, an dieser Stelle kann der Thread geschlossen werden.

MfG marvinjackson

CLOSED


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