Vollständige Version anzeigen : Biohacking: "Womit wir geboren sind, ist nicht perfekt"


CanHurry
18.10.2013, 10:53

Das Metallteil, das Tim Cannon unter der Haut tragen wird, ist etwa fünf mal drei Zentimeter groß. Am Freitag lässt er sich das Gerät unter die Haut einpflanzen. Dafür hat er sich einen Platz am linken Arm ausgesucht, direkt unter einem kreisförmigen Tattoo. Das Gerät mit Namen "Circadia" misst dann Cannons Blutwerte. Außerdem hat es kleine grüne Lämpchen, die auf Knopfdruck durch seine Haut scheinen sollen. Eine eingebaute Hintergrundbeleuchtung für sein Tattoo, freut sich Cannon.

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Tim Cannon stammt aus Pittsburgh an der US-Ostküste und bezeichnet sich als "Cyborg". Menschen wie er lassen ihren Körper mit Technik verschmelzen. Sie tragen Magneten unter den Fingerkuppen, um elektromagnetische Strahlung wahrzunehmen oder lassen sich Chips in die Handfläche einpflanzen und können so per Funk Türschlösser öffnen. Vor allem machen sie den eigenen Körper zum Spielplatz ihrer Experimente. Der menschliche Körper biete viel Potenzial für Verbesserungen, meint Cannon. "Ich denke nicht, dass das, womit wir geboren sind, perfekt ist. Und ich will das verbessern;"

Dafür geht er bis an die Schmerzgrenze – und darüber hinaus. Weil der 34-Jährige keinen Arzt gefunden hat, der zu dem Experiment bereit war, soll ein Körperkünstler die Operation durchführen. Allerdings ohne Betäubung. "Das wird ziemlich wehtun", sagt Cannon. "Für solche Sachen braucht es Furchtlosigkeit;"

Cannon geht seine Selbstverbesserung mit spielerischem Eifer an. "Ich mache das, weil es mich fasziniert", sagt er. "Biohacking" heißt das, Tüfteln am eigenen Körper. Über Foren wie biohack~me tauschen sich Anhänger aus. Cannons Hackergruppe Grindhouse Wetware will die Implantate auch auf den Markt bringen. In einem halben Jahr soll es soweit sein, ein "Circadia" soll etwa 500 Dollar kosten. Cannon ist der erste Tester.

Eine Gruppe von Gleichgesinnten will in Berlin nun einen Cyborg-Verein gründen, um die Möglichkeiten auszuloten. Eine Handvoll Mitstreiter gibt es bereits. "Es geht nicht nur um den Ausgleich irgendwelcher "Mängel", sondern eher um die Erweiterung der Sinne", sagt Enno Park, der die Vereinsgründung vorantreibt.

In der Medizin gibt es Implantate schon lange, Herzschrittmacher zum Beispiel oder Hörgeräte. Doch Ärzte wollen damit Patienten helfen oder einem Leiden vorbeugen. Die Erweiterung der eigenen Fähigkeiten sei eher ein Nebeneffekt, sagt Cord Schlötelburg von der Deutschen Gesellschaft für Biomedizinische Technik. Er legt Wert auf eine Unterscheidung zwischen Therapie und Spielerei. Ähnlich sieht es Jens Clausen, Privatdozent an der Universität Tübingen. "Nur weil jemand Interesse an einer Erfahrung hat, ist dafür nicht die Medizin zuständig", sagt der Medizinethiker. Die Experimente der Biohacker sieht er mit einem Schulterzucken. "Es gibt auch ein Recht auf unvernünftige Entscheidungen", sagt er. "Mir wäre das zu gefährlich;"

Cannons Visionen erinnern an Science-Fiction-Filme. Er träumt von Implantaten, die Stresshormone messen und ihren Trägern signalisieren, wenn es Zeit zum Entspannen ist. Ein Wunschprojekt ist ein künstliches Herz, dessen Baupläne offengelegt und somit von jedermann nachbaubar wären. Und warum nicht ein Implantat im Bein, das je nach Himmelsrichtung schwache elektrische Impulse abgibt? Ein Träger würde so zum menschlichen Kompass.

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Vorstellbar wäre das durchaus. Doch ist es wünschenswert? Und was für Menschen wollen wir eigentlich sein? "Das sind ganz uralte philosophische Fragen, die da aufbrechen", sagt Clausen. Cannon meint, die Gesellschaft behandele den Körper als heilig, dabei habe dieser viele Fehler. Entdeckungsdrang geht ihm über Ethik. "Ich verstehe, dass es dabei ethische Fragen gibt", sagt er. "Ich gehe aber dem nach, was mich glücklich macht;" (Jessica Binsch, dpa)

Video: Our Cyborg Future by Tim Cannon on Vimeo (;vimeo~com/76897222)

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Seid ihr mit euch und eurem Körper zufrieden? Oder würdet ihr euch, wenn die Technologie bereits ausgereift zum Cyborg umbauen lassen, um mehr Stärke, Intelligenz und Fähigkeiten zu erreichen wie z;b Schakal und Hyäne aus Gargoyles? Oder euch lieber mit einem Tier in der Genetik verschmelzen lassen?

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lux88
18.10.2013, 11:32

Ich steh der Sache ziemlich skeptisch gegenüber: Auf der einen Seite finde ich Implantate, die den Ursprungszustand wieder herstellen (Prothesen, künstliche Organe, etc;) oder das Leben kranker Menschen erleichtert, gut.
Dass ich jetzt aber noch mehr Sensoren (EM-Strahlung, Himmelsrichtung) brauche, wage ich zu bezweifeln. Viele Menschen klagen doch heute schon über Reizüberflutung, da kann ich gut und gerne auf die ständige Information, wo Norden liegt, verzichten. Ganz zu schweigen von so Spielereien, wie Tattoo-Beleuchtungen.


oder
18.10.2013, 11:43

Das mit dem beleuchteten Tatt2 hört sich mal richtig geil an :D :thumbsup:
Ich will ne eingebaute Giftspritze im Zeigefinger,dann kann ich den Senzenmann spielen;Nur einmal mim Finger anstuppsen und die Leute fallen tod um :D


NotTimBerners
21.10.2013, 06:47

Habe von so etwas schonmal gehört. finde es eigentlich recht interessant. Aufpassen sollte man aber bei folgendem: wenn dir ein chip sagen muss wann du dich entspannen sollst, machst du dich abhängig vom chip und verlernst selber auch deinen Körper / Geist zu hören. Und wenn der Chip mal kaputt ist, stehst du da und kennst dich nicht mehr.


bushido
21.10.2013, 06:54

Ich wäre dafür, daß jeder Mensch gechipt wird. Damit lassen sich so viele Probleme lösen. Endlich gibt es die totale Kontrolle, wenn möglich sogar der Gedanken, dann lassen sich Verbrechen schon vor der eigentlichen Tat erkennen und stoppen, und wenn das Menschlein nicht mehr so will, wie es von oben gewünscht wird, dann wird das Teil einfach abgeschaltet. Das nennt man dann sozialverträgliches Frühableben. So könnte man die Bevölkerungspyramide in Deutschland ganz schnell auf den Kopf stellen.

:rolleyes:


Edd
21.10.2013, 12:13

Es wird versucht Gott zu spielen, der Mensch ist gut gemacht, so wie er ist.

Der Mensch wird niemals ein Organ erfinden können, was besser ist, als das, was wir schon haben.
Das wird dermaßen schief gehen.


Leonardo da Vin
21.10.2013, 12:24

Der Mensch wird niemals ein Organ erfinden können, was besser ist, als das, was wir schon haben.
Das wird dermaßen schief gehen;


Und Trotzdem benutzen wir nicht mehr unsere Hände, wenn wir eine Grube graben wollen. Wir benutzen eine Schaufel, weil unser Gehirn diese Schaufel erstmal erdacht und dann gefertigt hat.

Diese Sachen sind alle Neutral, es liegt an uns ob wir damit "Böse" oder "Gute" Dinge anstellen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand diese Techniken nimmt um andere Menschen zu versklaven, ist ziemlich Hoch. Soldaten mit Chips im Gehirn; damit die Nachts besser Sehen können und der Schmerz ausgeschaltet wird. Klingt das zusehr nach Verschwörungstheorie?


Edd
21.10.2013, 12:42

Richtig, und dafür ist unser Gehirn uns auch gegeben worden und das ist auch gut so.

Nein, klingt es nicht und wohl oder übel wird es leider bald in diese Richtung gehen. (wer weiß wie weit, aber die Richtung passt)
Der Mensch ist aber ein Lebewesen was (heutzutage) nach 70-100 Jahren stirbt.
Wer keine Hoffnung auf ein weiteres Leben hat, bzw. wer nicht daran glaubt macht sich natürlich Sorgen darum, was mit so einem verfallenen Körper passiert.


bushido
21.10.2013, 15:59

Soldaten mit Chips im Gehirn; damit die Nachts besser Sehen können und der Schmerz ausgeschaltet wird. Klingt das zusehr nach Verschwörungstheorie?

Keineswegs, ich befürchte sogar, daß dies schneller Realität werden wird, als wir uns vorstellen können. Prototypen solcher Chips existieren sicher schon lange in den Laboren des militärisch indistriellen Komplexes in den USA.


Nihilokrat
21.10.2013, 17:21

Derartiges zu entwickeln ist ethisch schon nicht vertretbar und gehört als Nährboden für Egoismus, Neid und potentielle Herren-Sklaven-Fantasien verboten. Ja, es ist ein hehres Ziel diese und folgende technologischen Errungenschaften für einen "Ausgleich" einzusetzen, um Menschen, die von Natur aus benachteiligt sind, einem Mittelweg oder gar einem Ideal nachempfunden zu "designen" - glaubt man.

Aber schon auf der theoretischen Ebene kann der Mensch nur daran scheitern, ein Idealbild oder einen Mittelweg der ethisch, moralisch und vernunftgemäß begründeten Allgemeingültigkeit zu finden. Denn zuallererst erhebt sich der definierende Kreis von Menschen über den Rest und desweiteren wird dieser Kreis einer sein, der durch überbordenden Egoismus in Verbindung mit den Gesetzen der (ökonomischen) Möglichkeiten seine Interessen durchboxen will.

Und die Form der genetischen "Perfektionierung" mit Hilfe von Biohacking birgt in ihrem Wesen, gerade, auf die praktische Ebene gehievt, auf unsere heutige Gesellschaft und deren Zustandsphänomen bezogen, zuviele Risiken und Missbrauchsansätze, als dass sich diese durch Werte aus Ethik und Moralphilosophie in einen mit der Vernunft vertretbaren Rahmen pressen lassen.


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